Beziehungskompetenz



Was ist das eigentlich?

Als Fachkraft weißt Du sicher wie schwer es ist, mit jedem einzelnen Kind in Beziehung zu gehen – kompetent zu sein. Mir ging es anfangs als Erzieherin jedenfalls so. Damals bin ich auch noch davon ausgegangen, dass Beziehungskompetenz bedeutet, zu allen Kindern eine gute Beziehung zu haben. Heute weiß ich, dass kompetent nicht gleich gut bedeutet. 

Oder, wie es Jesper Juul formulierte:

„Eine Beziehung ist dann gut, wenn sie nah an der Realität ist“.

Ach je, was heißt denn das schon wieder? Auch dafür brauchte ich eine Weile, um es zu verstehen. Es heißt, dass eine Beziehung auch „schlecht“ sein darf, dass ich mich ärgern darf über ein Verhalten. Wichtig ist, dass ich bei mir bleibe und zuerst erspüre, was mich ärgert. Wo sitzt mein Ärger in mir? Ich muss mir bewusst machen, dass das Kind zwar der Auslöser für meinen Ärger ist, aber nicht die Ursache! Diese Unterscheidung fällt den meisten am schwersten, denn als Kinder wurden wir oft genug für schuldig erklärt („Ich muss laut werden, weil Du …. gemacht hast!“) Natürlicherweise fällt uns genau das so ein: „Ich schreie hier rum, weil ihr so laut seid.“

Nun, das scheint aber nur so. Gewiss ist Dir schon aufgefallen, dass Deine Kollegen und Kolleginnen nicht alle gleich reagieren. Die eine schimpft, wenn ein Kind aus der Reihe tanzt, die andere stört sich nicht daran.
Warum bloß, die Kinder machen doch das gleiche?

Die Antwort ist, dass jeder Mensch für seine Reaktionen seinen eigenen persönlichen Grund hat.

Wenn ich also merke, dass mich das Verhalten eines Kindes stört, weil ich mir das als Kind nie getraut hätte, dann bin ich schon auf einem guten Weg. Das Kind lebt mir also etwas vor, was ich selbst nicht leben durfte als Kind. Vielleicht ist eine Spur Neid dabei oder auch Trauer? Es ist gut, das wahrzunehmen! Je besser ich mich kennenlerne, desto besser kann ich auch in Beziehung gehen.

Beziehungskompetenz heißt für mich, dass ich mich in der Beziehung zu anderen wahrnehme, dass ich spüren kann, was mein Gegenüber in mir auslöst – positives oder negatives – und dass ich weiß und spüre, dass der Andre nur der Auslöser ist, nicht aber der Grund für mein Gefühl. Wenn ich mich auch dafür interessieren kann, was ich beim Kind auslöse und welche Ursache sein Verhalten hat, dann trete ich in Verbindung mit ihm.

Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber gar nicht. Es reicht, sich zu zeigen und zu interessieren, damit Beziehung entsteht. Moment… das klingt nun doch wieder zu einfach. Also: es ist nicht kompliziert, aber es ist trotzdem nicht einfach! Denn wer von uns hat schon gelernt, sich verletzlich zu zeigen? Sich in Konflikten zu öffnen, statt sich zu verteidigen? Ungewohntes Feld, ich weiß!

Ich habe den Zugang dazu erst durch Jesper Juul entdeckt und In meiner Ausbildung zur Familientherapeutin am ddif habe ich eines richtig gut gelernt: zu erkennen, was beziehungsfördernd ist und was nicht. Ich habe gelernt zu spüren, welches Verhalten und welcher Satz eine Verbindung schafft und welches nicht. Dafür bin ich sehr dankbar und das gebe ich gern in meinen Fortbildungen und auch hier im Blog weiter! Beziehungskompetenz zu erwerben ist auf jeden Fall ein Prozess, keine einmalige Angelegenheit. Es ist aber ein Prozess, der mit einem einzigen Schritt begonnen werden und Dein Leben auf einen neuen Weg bringen kann 🙂

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